Dienstag, 12. Februar 2013

Spur(en) des Lebens I

Meine Tochter und ich zocken am Computer. Nein wir spielen nicht stundenlang. Nein, wir schnetzeln uns nicht durch Horden Untoter, reiten und/oder erschlagen Drachen, oder versuchen den ersten, zweiten oder dritten Weltkrieg zu gewinnen in dem wir noch mehr Pixelmännchen (und -weibchen) töten... Nein es gibt in den unendlichen Welten der Computerspielindustrie ein paar Programme, welche andere Spielprinzipien haben. (An dieser Stelle möchte ich Ponyhöfe mal völlig ausschließen und nicht näher darauf eingehen.) Und wieder andere kann man vielleicht auch mit seiner fünfjährigen Tochter spielen, wobei Elemente von einhundertfünfzig Jahren Evolutionstheorie logisch vermittelt werden können. Das Spiel welches wir gemeinsam spielen heißt "Spore".

Bei "Spore" stürzt am Anfang ein Stück Weltallgestein in das Meer eines Planeten und in diesem Stein waren zufällig ein paar lebende Zellen mit denen man dann die 5 Phasen des Spiels meistert. Je nachdem welche Entscheidung man für diese Zellen (im Folgenden Kreatur genannt) trifft, entwickelt sich dieses Leben in eine andere Richtung, und man benötigt andere Strategien um Erfolg zu haben. Erfolg bedeutet Überleben und Dominanz der eigenen Spezies, bzw. Entwicklung um der "Auslese" zu entgehen.
Hierbei sollte erwähnt werden, dass ich die Steuerung der Kreatur übernehme, Fragen der Entwicklung von uns diskutiert werden, die Farbauswahl vollständig meiner Tochter unterliegt.

Erste Entscheidung:

Am Anfang des Spiels gilt es eine erste Entscheidung zu treffen.

"Sollen wir Fleischfresser oder Pflanzenfresser sein?"
"Fleischfresser!"
"In Ordnung..."

Ich stelle also Fleischfresser ein und wir finden uns in einem Ozean wieder wo wir wie andere Mehrzeller vor allem nach Nahrung suchen. Wir töten eine Kreatur um sie zu fressen.

"Warum hast du die getötet, Papa?" (wir spielen WIRKLICH zusammen)
"Na wir brauchen doch Nahrung und wir sind Fleischfresser."
"Aber...Können wir nicht... anders?"
"Ähm..." ich überlege wie ich ihr versuche zu erklären, dass ihre Würstchen auch Tiere sind und dass dies ein Grund ist warum ich seit 12 Jahren kein Fleisch mehr esse. Ich drücke Pause.
"Du weißt dass Fleisch aus Tieren gemacht ist, oder?"
"Ja...
"Um zu überleben müssen wir essen und unsere Kreatur fressen."
Ja, aber können wir nicht anders?"
"Momentan sind wir Fleischfresser. Wir können uns jetzt nicht anders ernähren."
Sie ist sichtlich traurig.
"Wollen wir neu anfangen?" 
Heftiges Nicken... und ich wünsche mir mal wieder dass andere Dinge im Leben auch so einfach zu ändern wären.

"Sollen wir Fleischfresser oder Pflanzenfresser sein?"
"Pflanzenfresser!"
"In Ordnung..."

Wir durchstreifen den Ozean, fressen ein paar Algen, meine Tochter freut sich sichtlich und wir lachen zusammen, als wir wachsen und "Gen-Punkte" sammeln um uns weiter zu entwickeln. Dann werden wir gefressen.

"Der hat uns ja gefressen!"
"Nun, wir waren nicht mehr schnell genug als wir größer..."
"Jetzt können wir den auch fressen!"
Ich lache 
"Nein, wir sind Pflanzenfresser..."

Es dauert ein wenig dies zu erklären und dann treffen wir eine weitere Kreatur unserer Spezies und Pflanzen uns fort (Herzchen-Kuss-Eiablage in genau der Reihenfolge) Unsere neue Generation hat Stacheln zum Schutz nach "hinten" falls ein Jäger bei unserer Flucht schneller ist. 
Die Bewegungen unserer Kreatur sind ulkig, die Farbe wechselt oft. Fieberhaft fliehen wir vor großen Räubern, freuen uns über eine größere Ansammlung von Algen und entwickeln "Werkzeuge" um zum Beispiel Allesfresser zu werden, wobei die Entscheidung oft dagegen ausfällt. So fressen wir uns groß, bis wir ein Gehirn entwickeln, uns Beine wachsen und wir an Land klettern. Das ist dann aber eine neue Geschichte...


Eine Auswahl an Kreationen der ersten Entwicklungsphase.

Freitag, 30. November 2012

Minies I

Weihnachten 2011 bei Katzenoma.

Da es im Dezember zu keinen weiteren Beiträgen kommen wird, gibt es hier noch ein paar Minies um euch den Monat zu versüßen...

I - ...
Aber Papa. Ich bin noch überhaupt nicht müde!
Töchterchen, bitte. Ich habe dir etwas vorgelesen und ein Lied vorgesungen. Es ist schon sehr spät und ich will auch schlafen.
Nur noch ein Lied Papa... bitte!
Versprichst du mir dass du dann schläfst? 
Ich verspreche es dir.
Hoch?
Ganz hoch.
Wie hoch?
Hoch wie die Ehre!*


II - nach einer Stunde im Tranquillo, einem "bunten" Laden...


Wenn du groß bist kannst du ja öfter hierher ins Tranquillo kommen, wenn es dir hier gefällt.
Ja, weil ich dann hier arbeite!


III - Ein anderes Mädchen auf einem LARP ist als Ork geschminkt. Samstag geht sie zu einer Gruppe von 6 vollgerüsteten Zwergen, die an einem Tisch sitzen:


Ihr Zwerge braucht keine Angst vor mir zu haben. 
-Stille-
Ich habe bei einer Freundin schon mal Zwerg gekostet und es schmeckt zum kotzen!
-alles Lacht-
Wir warten bis du groß bist, dann reden wir nochmal darüber. Magst du Schokolade haben?


IV - Wir spielen "Das Geisterschiff" ein Piratenspiel...
Ich kann dir ein Piratensprichwort sagen: "Nimm was du kriegen kannst und gib nichts wieder her!"
Ich kenne ein Kamelsprichwort: "Hast du eine Seele, dann nimmst du die Kamele!"

V - Wir haben die Mortheimplatte aufgebaut und mit vereinfachten Regeln gewinnt meine Tochter...

Du hast gewonnen.
Ja! Meine Dunkelelfe hat deinen Skelettanführer mit einem Schlag besiegt.
Ja, das war beeindruckend.
Ihr Gesicht war so mutig wie ein Pfannkuchen aus Eis. 
*lach* Das muss ich aufschreiben.
Das kannst du dann ja auch ins Internet schreiben, Papa.
Mal schauen...

VI - Duett
Muah Muah Muuuaaah
Muah Muah Muuuaaahhh
Ich bin alleine, du bist allein, komm...
gehen wir den Weg zu zweit.
Muah
Muah
Muuuaaahhh




*- "Wahlspruch des Hauses Arryn in "Game of Thrones"

Freitag, 16. November 2012

Trinkschoki

Es gibt in Leipzig nur einen Ort wo es die beste Trinkschoki überhaupt gibt, und dieser Ort nennt sich Puschkin. Wenn man also mal durchgefroren ist in dieser kalten Jahreszeit, innovatives Mobiliar bewundern möchte oder gutes Essen... Es ist immer einen Ausflug wert. 
Als neulich das Völki schon um 16.00 Uhr zugemacht hatte und meine Tochter und ich 16.05 Uhr vor verschlossenen Toren standen, kam sie auf die Idee eine Trinkschoki genießen zu wollen. "Hmmm..." sagte ich. "Haben wir uns denn eine Trinkschoki überhaupt verdient?" Das mal davor waren wir auf den Fockeberg gestiegen. Meine Tochter überlegte: "Ja, Papa. Heute haben wir Sport gemacht und... und da bin ich so schnell gerannt und so hoch geklettert und schneller als alle anderen." Ich blickte sie an und wie so oft durchdrang mein Blick ihr Worte und Gedanken während ihr Arm langsam nach unten glitt mit dem sie mir gezeigt hatte wie hoch, während sie versuchte ein schamhaftes Grinsen zu verdecken...

 
Anmerkung: Als meine Tochter mich das erste mal ganz offensichtlich belogen hat, sagte ich ihr genauso ganz offensichtlich dass ich jede Lüge sehen kann und nicht mag belogen zu werden. Zwei faszinierende Dinge sind passiert. 1. Sie muss jetzt viel öfter grinsen, wenn sie mir mal wieder versucht einen Gweros* aufzubinden. 2. Sie ist neugierig wie ich das mache und sagt viel öfter lieber erstmal die Wahrheit.



"Aber Papa, ich möchte doch so gerne die beste Trinkschoki in Leipzig." Sie blickte sichtlich deprimiert zu Boden. 
"Weißt du was ich heute gemacht habe?" begann ich, wartete das Kopfschütteln ab und fuhr fort. "Ich habe heute ein Heilmittel gegen Schnupfen erfunden. Ich saß an meinem Rechner, nieste und wusste, diese Plage muss gebannt werden. Also habe ich mir ein paar Zahlen angeschaut, die miteinander berechnet und schon hatte ich das Heilmittel." Sie schaute mich an und wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Ich fuhr fort: "Dann allerdings war plötzlich der Strom weg. Meine Nachbarin hat beim Bohren die Stromleitung erwischt. Alles ist weg." Sie grinste mich an, ich grinste zurück. "Quatsch Papa!" sagte sie. Ich nickte lachend und nahm sie nun auch physisch auf den Arm. "Hab ich gelogen oder eine Geschichte erzählt?" Sie schaute mir in die Augen und überlegte. "Eine Geschichte." Ich nickte. "Ist Jemand traurig wegen meiner Geschichte? Hab ich etwas bekommen, weil Jemand dachte die Geschichte ist echt? Hat sie Spaß gemacht?" Ich wartete jedesmal die bejahende Antwort ab. "Deshalb ist es keine Lüge." schloß ich meine Ausführungen. Ich liess sie herunter und wir rannten um die Wette und jagten uns. Kurz vor dem Auto fragte mich meine Tochter: "Papa? Kannst du mir das beibringen, dass man immer sieht ob einer lügt oder nicht?" Ich schmunzelte. "Ja, das kann ich..." sagte ich. "... aber erst wenn du groß bist."


Ein Bild beim verspeisen unserer ersten Trinkschoki im Puschkin, Oktober ´12
Man beachte bitte die erstaunlich schlechte Qualität!



*- Gweros ist die Gottheit von dem kleinen LARP-Projekt "Rawald" in dessen Orga ich mitmische. LINK zu Gweros


Dienstag, 6. November 2012

Licht

Spoiler: Ich erzähle diese Geschichte sehr gern und oft... Der geneigte Leser könnte sie also vielleicht schon kennen.

Seit September weihnachtet es nun schon in deutschlands Konsumtempeln und so langsam wird mir bewusst, dass ich dieses Jahr nicht wie üblich bei meiner Familie verbringen werde. Keine zu Tränen gerührte Mutter, kein Streit unter Geschwistern und auch meine Tochter wird diesmal nicht am 1. Feiertag nachgeholt ihre Päckchen von ihrem Papa-Part ihrer Patchworkfamilie aufreißen. Ich werde tatsächlich in Neuseeland sein, aber das ist eine andere Geschichte. Während ich nun also durch Supermärkte streife und mit meiner Tochter Wunschzettel ausfülle, die an den Packen Endlospapier meines Commodore 64 - Nadeldruckers erinnern, denke ich mit ein wenig Wehmut zurück an das erste Weihnachten (mit) meiner Tochter. 

Damals lebten wir in einem Loch mit einem einzelnen beheizbaren Raum (Außenwand-Gas-Heizung) und daneben war mein "Raucherraum", mein Arbeitszimmer. Meine Tochter schlief in einer Kinderwagentasche auf einem Tisch neben der Heizung und über ihr schrie Leonidas auf einem Plakat seine Königswache zu den Thermopylen. Ich hatte die Nachtschichten, welche ich mir mit wenig Arbeit und viel Ultima Online in der Wendelwelt (Freeshard) vertrieb. Nun wollte meine Tochter ihre Frau Mutter aber nicht wirklich schlafen lassen. Was hieß das? Ich hatte zwar die Nachtschicht mit Nuckel in Mund stecken, Windeln wechseln, Tee anbieten aber ich gab keine Milch. Meine Tochter wollte aber die Milch ihrer Mutter. So blieb mir Nichts anderes übrig als sie ihrer Frau Mutter an die Brust zu legen und dann wieder in ihr Bettchen zu bringen. Nicht unbedingt gut für das Ego eines Vaters... aber das ändert ja auch nichts an den Drüsen...

Nun war also kurz vor Weihnachten und ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dass meine Tochter doch Fläschchen irgendwie toll finden muss... wenigstens ein mal täglich. Es war eine dieser Nächte und das Fläschchen war warm und ihr Gejammer die einzige Reaktion. Es dauerte immer eine Weile, bis sie sich man sie wieder vom Jammern beruhigt hatte, nachdem sie das Fläschchen auch nur gesehen hatte. Noch heute bin ich erstaunt, wie stur sie da war... obwohl... egal... Also machte ich den Weihnachtsbaum an. Babys sind immer fasziniert von Licht und meine Tochter fand es so faszinierend, dass sie sich schneller beruhigte als Raoul Duke auf Ether. Da durchzuckte mich eine Idee wie ein Blitz. Ich legte meine Tochter auf meinen Linken Arm, so dass sie die Lichter des Baumes erblicken konnte und dennoch in Fläschchenpose war. Aber so schnell ließ sich sich nicht verarschen und blickte sich um, eine Flasche erwartend... doch da war keine. Hinter meinem Rücken testete ich mit der rechten Hand Wärme und Konsistenz des Fläschchens (und dessen Inhaltes). Das Licht erfüllte durch ihre Augen ihr Hirn und man konnte förmlich fühlen, wie es sich hineinwebte bis es auch das Stammhirn erreichte und langsam die Wirbelsäule nach unten troff.* Sie sah das Fläschchen nicht kommen. Es musste sich angefühlt haben wie ein Nuckel denn sie schien es nicht zu... dann die Erkenntnis: "Da kommt was raus" Es stand auf des Messers Schneide. man konnte förmlich die Gedanken von ihrer Stirn lesen: "Das ist nicht Mamas Milch aber... aber... LICHT!" Sie zutschte... Ich betete... Dann schluckte sie und... Ich traute mich kaum zu atmen. Sie trank. Erst jetzt merkte ich, dass ich mich nach vorn, zum Baum hingebeugt hatte. Sie trank und ich ignorierte das Ziehen in meinem Rücken... die ganze halbe Stunde, während die Beleuchtung des Weihnachtsbaumes sein Werk tat.

Selten empfand ich solchen Stolz auf mich selbst... Ab diesem Zeitpunkt gab ich meiner Tochter jede Nacht ein Fläschchen und der Baum flog erst Ende März auf den Müll.

Meine Tochter kurz nach der Geburt... wie alle Babys...

* - Danke, Hunter S. Thompson

Sonntag, 21. Oktober 2012

alea iacta est

Mein altes Lego wanderte einst aus dem Keller meiner Mutter in meine Wohnung, wo es gereinigt wurde um dann, wie auch schon mir, als Spielzeug zu dienen. So geschah es dann auch prompt, dass ich eines verregneten Nachmittages mit meiner Tochter in ihrem Zimmer saß und wir zwei Ritterbanden zusammenbauten. Eine war gut (die Löwen) und eine böse (die Drachen) welche aber mit dem schwarzweißen Vogel verbündet waren, während Robin Hoods Bande von Geächteten... aber ich schweife ab... Wir machten uns also aus ob Musketen nun erlaubt waren, oder doch nur Steinschleudern, Bögen, Armbrüste. Immerhin gab es ja auch ein Schloss, eine schöne Prinzessin und natürlich würde die geraubt werden... Aber ich schwöre, es fielen keine Begriffe wie Lenister, Targaryen oder Stark! Als dann nach zwei Stunden unsere Banden auf Bases standen, sollte es los gehen.
"Moment." sagte ich und holte wie ganz selbstverständlich aus meiner Box ein paar Würfel, wovon ich dann meiner Tochter einen gab. Die guckte mich verdutzt an. "Wofür ist der denn, Papa?" fragte sie mich. "Na für..." Ich stutzte selbst... "Für den Kampf, damit wir sehen können, wer gewinnt und wer verliert." erwiderte ich und fing jetzt erst an zu realisieren, dass ich früher als Kind auch keine Würfel gebraucht habe. Zuerst sah mich meine Tochter amüsiert an, doch dann trat Neugier in ihr Gesicht und verscheuchte den Rest. "Na gut." sagte sie.

Anmerkung: 
Tabletop war mein Einstieg in die Off-Computer-Gaming-Szene. Zwar wurde daraus schnell Rollenspiel, weil es mir von jeher um Geschichten ging, nicht um den Sieg, oder das "Zerstören" von Gegnern. Lange Jahre danach entdeckte ich Mortheim wieder neu für mich. Seither arbeite ich auch an einer eigenen Mortheimplatte und bin momentan in Besitz von 4-8 Banden für Mortheim und Einer für Death Squad.

"Hey ihr da drinnen, gebt die Prinzessin heraus, oder... oder wir beschießen euch mit einem Katapult." sagte ich frohen Mutes, während ich die Base wie eine Phalanx in Richtung Burg schob. "Nein Papa, Deine haben das Katapult vergessen." "Nein, haben sie nicht!" erwiderte ich, noch bevor ich darüber nachgedacht hatte. Da flog ein Ritter mit einem Pferd heran über die Burgmauer der belagerten Prinzessin und zerschmetterte das Katapult. "Öhm, nee." sagte ich. "Das Pferd kann doch gar nicht fliegen." "Doch, Papa, das ist ein Einhorn... mit Flügeln" (Sätze wie : "Auf 4+ kann mein Leman Russ (ein Panzer) fliegen" kehrten in meinen Kopf zurück.) "Dann stellt sich der hier mit dem Speer aber dagegen." Ich stelle einen Legolandsknecht dazwischen. "Meiner ist viel stärker" meint meine Tochter. "Na lass uns Würfeln." sage ich. "Deiner fliegt also auf einem Einhorn, also +2 ..." "Und er ist der König." sagt meine Tochter. "Also gut, du hast +3, also du darfst 3 zu deinem Wurf hinzuzählen." Resigniert blickte ich auf den W6 in meiner Hand und stellte mir die Eroberung von Doerchgard vor. Plötzlich springt ein Einhorn über die Palisade und zerstört den Trebuchet... Ich würfle. Meine Tochter würfelt. Ich habe eine 6, meine Tochter eine 1. Ich reiße die Arme hoch und juble. Meine Tochter wirft sich auf den Boden und fängt an zu weinen. "Das war mein BESTER!" schluchzt sie. Es dauert eine Weile, bis ich sie wieder beruhigt hatte, mit viel Schmusen und dem Versprechen, dass der Reiter und sein Einhorn sicher nur verwundet sind und sich schnell erholen werden. In meinem Kopf lief die Verwundetentabelle von Mortheim ab. Wir probierten das Ganze noch ein paar mal. Meine Ritter lagen allesamt zerschmettert vor den Mauern und hatten absolut Nichts bewirkt.

Fazit:
Vorerst spiele ich solche Spiele (objektbezogene psychosoziale Rollenspiele) nicht mehr mit meiner Tochter. Ich baue und helfe Legoschlösser oder auch Raumschiffe zu bauen und sie darf auch mal vorsichtig meine Figuren aus der Vitrine, oder Gelände meiner Mortheimplatte haben, aber ich selbst halte mich zurück. Warum? Ich spiele viel zu gerne selbst mit und es kostet mich sehr viel Kraft mich auf das Spiel meiner Tochter so stark einzulassen. In diesem Zusammenhang habe ich oft über Begriffe wie "richtig" oder "falsch" nachgedacht... Am Ende kam ich auf "menschlich". Bin ich also der perfekte Dad? Nein. Ich bin ein freakin´ Roleplayer...


"Papa? Warum ist die nackig?"
"Sie wurde aus einer anderen Dimension beschworen und konnte nichts mitnehmen."
"Ach so."

Dienstag, 9. Oktober 2012

In Gedenken an...

Diese Episode ist Malle gewidmet...


Malle auf Rawald 1 "Ronas Baby" 2009
Jeden Samstag treffen sich leipziger LARPer und solche die es werden wollen im Peter Stein Weg vor der LVZ. Neben Rumquatschen, Lästern und Pläne schmieden wird sich vor allem gekloppt. Dass da der Mytholon Leipzig gleich daneben ist, tut sein Übriges. Meine Tochter hat mich da auch schon ein paar mal hinbegleitet. 
Nun trug es sich also zu, dass meine Tochter auch das Kämpfen lernen wollte. Mir als Pädagoge war das "verletzt werden" dabei natürlich ein sehr wichtiger Aspekt. Immerhin gibt es ja unter den "Großen" genug Kloppies, Highlander, Pappnase oder Tyra Nightfires. Also wurde angegriffen, abgewehrt und die Wunde ausgespielt... oder dies zumindest versucht. Nach einem weiteren Treffer ging meine Tochter theatralisch auf die Knie und sage. "Ich sterbe." Die Waffe fiel, ihr Gesicht versuchte leidend auszusehen und schwankend kam sie zum Liegen. Überrascht und stolz rief ich sofort andere LARPer hinzu. "Jemand muss helfen! Das wollte ich nicht! Ich dachte die Waffen wären stumpf." rief ich. Malle war als erster da. In seinem Schlepptau waren noch ein paar andere. Sie versuchten sich rührend um meine Tochter zu kümmern. "Verbände!" brüllte Malle. "Nein, ich sterbe." antwortete meine Tochter. "Es ist zu spät." Das Grinsen über die Theatralik ging durch alle Herumstehenden und selbst meine Tochter musste sich anstrengen nicht zu grinsen. Dann schaute mich Malle an: "Deinen Schild?" fragte er. Ich verstand und nickte. 

Vier erwachsene Menschen trugen also den kleinen Körper meiner über alle Maßen stolzen Tochter auf einem großen Rundschild zur nächsten Sitzbank. Allen vorran natürlich Malle in Kettenhemd und Brigantine. 

Als das allgemeine Interesse an der "Leiche" dann abebbte, fragte mich meine Tochter: "Kann ich den mal fragen, ob der auch mit mir kämpft?" und deutete auf Malle. "Hmmm... warum denn?" fragte ich. Sie zuckte die Schultern. "Och, nur so..." und mir wurde bewusst, dass es ihr erster Freund verdammt schwer haben würde...

Malle verstarb am 03.10.2012 plötzlich.


Auf unserem letzten gemeinsamen Con gab es ein Duell zwischen uns... und Malle gewann (s)eine Hasenpfote zurück...

Mit Malle zu kämpfen war wie Tanzen...


Ich möchte allen Hinterbliebenen mein Herzliches Beileid aussprechen. Auch soll klargestellt sein, dass wenn dieser Artikel unerwünscht ist, er jederzeit von mir gelöscht werden kann. 

Donnerstag, 27. September 2012

Tofu

Jedes Jahr vor dem "Conquest of Mythodea" sieht es bei mir aus, wie in einer durchschnittlichen Theaterwerkstatt kurz vor der Premiere des Stücks. Klamotten hängen auf Bügel oder auf Ständern mit Nadeln gespickt und Stofffetzen versehen, auf der Loggia trocknet eine Schicht Latex auf einem Schwert, einem Schild und ein Beilchen und auf dem Herd köchelt ein Topf frisches Kunstblut. Meine Tochter ist natürlich mittendrin... und hat Fragen, also erkläre ich ihr, so gut es geht, was es mit dem Conquest, Mitraspera, Untotes Fleisch, Silent Hill, Fleischnähern, Leichte Infanterie, Argus auf sich hat. Da ihre Mami und ich getrennte Wege gehen ist das NSC-Dasein meiner Tochter vorerst vorüber. Sie war dieses Jahr (2012) Spielerin in der Stadt.

Erinnerungseinschub:
Meine Tochter fährt eigentlich seit ihrem ersten Lebensjahr auf das Conquest, ist schon dem höchsten Equilibri vor die Füße gekrabbelt und eines ihrer ersten Worte war "Argus". Sie war auch schon mal als Enkelin der Knochenkönigin bezeichnet worden... Ich erhielt von der Orga dazu nie ein offizielles Statement.

"Papa? Wirst du mich auch angreifen?" fragte sie mich dann. "Nein, ich werde dich nie angreifen!" antwortete ich und hoffte innerlich, dass es wirklich nie dazu kommen würde, dass ich ihr als UF begegne.*

Nun kam es dazu, dass sich meine Hausgemeinschaft zum Grillen im Garten traf und meine Tochter wieder mittendrin. Man stelle sich die Situation vor: Ca. 8 Bewohner aus dem Haus zwischen 31 (ich) und 78 Jahren sitzen beieinander und plaudern über GEMA, Schmerzen und Anwohner anderer Wohnhäuser, als meine Tochter plötzlich meint: 
"Mein Papa ist Anführer des Untoten Fleisches." 
-kurze Stille-
"Aber ich bin nur Heilerin, bei den Fleisch..., nee, nich´ bei den Fleischnähern. Papa wie heißt das?" Ich bekämpfe das innerliche Gefühl der Panik, welches von einer plötzlich geraumen Anzahl Augenpaare ausgeht, die auf mich gerichtet ist. Ich lege mir eine Argumentationsmethodik zurecht und... schinde Zeit? "Siedler heißt das mein Schatz. Magst du noch... ähm... Mozarella?" Und dann rollt die Lawine von Fragen an. Ich erkläre also LARP (mal wieder) und verteidige, bzw. relativiere die martial anmutenden Aussagen meiner Tochter. Es geht sogar so weit, dass ich versuche Thesen aus meiner Diplomarbeit darzulegen um die Natürlichkeit von "Rollenspiel" zu zeigen, aber auch die Gefahren des Eskapismus. Nach gut einer Stunde lächelt die Runde erleichtert, versteht jetzt die blutüberströmten Schaufensterpuppen auf meinem Dachboden und meine Tochter hat eine Nachbarin zum Einhorn gemacht und sie reiten zusammen durch den Hof.
Ich finde solche "Gespräche" immer irgendwie anstrengend. Nicht dass ich mich nicht gerne selbst reden höre... *schmunzel* LARP ist immernoch ein Hobby voller Vorurteile, trotz wachsender Medienpräsenz und Waldrittern. Sollte ich wirklich auf den Rat von "normalen Menschen" hören und meine Tochter davon fernhalten? Oder nur kindgerechte LARPs besuchen (auch ohne meine Tochter) um das Gemüt meiner Tochter zu schonen? Natürlich nicht, oder? Ich denke immernoch dass mein Leben eine Reise ist und meine Tochter begleitet mich dabei. Sie davon abzuhalten solche Dinge zu erleben würde für mich bedeuten sie über ihren Vater zu belügen. Natürlich hat dies Grenzen, die ich denke gut einsehen zu können... bin ja nicht nur Vater, sondern auch Pädagoge.

Beim Hochtragen eines Tisches meinte mein Nachbar: "Untotes Fleisch... Jetzt weiß ich endlich was Tofu wirklich bedeutet."

Conquest 2009

* Es ist nicht so, dass ich mich jemals dazu entschließen könnte meine Tochter anzugreifen. Aber sie würde mich Papa nennen und wenn ich Papa bin, bin ich nicht Captain der Leichten Infanterie des 3. Lairdoms "Silent Hill" im Endlosen Heerwurm zu Gnaden der Knochenkönigin.