Montag, 19. Januar 2015

Spaghetti und die Wolken


Am Anfang war das Wort,
und das Wort war "Argh"
Piratcus 13:7


Ich bin Pastafarie. Für diejenigen, die das nicht kennen... Ich glaube an seine Heiligkeit, das Fliegende Spaghettimonster, welches uns mit seinen tentakeligen Anhängseln geschaffen hat. Nun geht es an einem Kind nicht spurlos vorüber, wenn seine Eltern, bzw. ein Elternteil religiös ist. Also passierte es schon das eine oder andere mal, dass ich meiner Tochter aus dem Evangelium des FSM* vorlas. Wir lachten viel.

Als ich meine Tochter heute aus der Schule abholte, kam sie plötzlich auf eine Idee:
"Papa, ich glaube Gott und das FSM* haben die Welt zusammen gemacht."
*prustend* "Wie kommst du denn darauf?
"Na das wäre doch cool!"
"Öhm... ja. Und wie haben sie es gemacht?
"Der eine Links, der andere Rechts."

... Wir gingen im Wildpark spazieren ...

"Und Gott hat ganz viele Kirchen gemacht und das Spaghettimonster Restaurants."

... Auf einer Spielplatz-Seilbahn ...

"Nur ein Haus steht auf der Grenze, das ist eine Kirche, aber in den Pausen gibt es Nudeln. Morgens, Mittags und Abends."

... Wir fuhren wieder heim ...

"Ich werde mir eine Geschichte ausdenken. Und du hilfst mir sie aufzuschreiben, ja? Ich nenne sie <Spaghetti und die Wolken>"


 
Auf dem Weg nach Hause dachte ich über die Worte meiner Tochter nach und versuchte sie in Relation zur aktuellen Tagespolitik zu setzen. Zuerst fühlte ich stolz über die Worte meiner Tochter, welche so viel mehr Weisheit beinhalten, als all diese Hasspredigten, Kreuzzüge, (Selbst-)Mordanschläge. Dann wurde ich traurig, denn ich stellte mir die Frage: Warum nicht? Verdammte Scheiße... warum denn nicht?
#JustSundaythings

* FSM=Fliegendes Spaghettimonster (offizielle und heilige Abkürzung)

Freitag, 17. Januar 2014

[...] wieso ich Vegetarierin werde

Dass "ein wenig verrückt zu sein" bei uns in der Familie liegt, beweist folgende Mail, die ich einfach hier für euch veröffentlichen will.

Hey, hier ist deine Nichte*. Du wolltest doch das ich dir mal meinen Traum aufschreibe, der der Grund ist, wieso ich Vegetarierin werde.

Ok hier ist mein Traum: Er fängt so an, dass ich gerade ein saftiges Fleisch - Steak in der Küche esse, mit Mama zusammen.
Wir essen und lachen und reden über alles Mögliche, doch auf einmal hören wir draußen ganz viele Tiergeräusche. Das Muhen einer Kuh, das Oink eines Schweins und das Naak-Naak einer Ente. Verwundert gehen Mama und ich raus, noch mit dem Steak in der Hand. Wir fragen die Tiere was los ist (keine Ahnung, irgendwie konnten wir mit Tieren reden) und die Tiere haben natürlich nur ihre üblichen Tiergeräusche gemacht aber wir konnten ihre Gedanken hören. So haben wir gehört, dass sie es schrecklich finden das wir sie alle einfach so unschuldig abschlachten und dann einfach ohne nachzudenken aufessen. Zuerst war das meinem Traum - Ich egal, aber dann, als Mama und ich mit dem Steak in der Hand gerade wieder reingehen wollten, sehen wir, wie ein Ufo am Himmel erscheint. Verrückterweise war auf dem Ufo ein Bild von einem Teller, vor dem ein Messer und eine Gabel überkreuzt waren, wie eben bei diesen ganzen Restaurants. Verwundert essen wir schnell unser Steak auf und gehen zu dem Ufo, das gerade landet. Heraus steigen Wesen, die aussehen wie Menschen, nur ... zu perfekt. Sie sind unnatürlich schön, haben keinen einzigen Makel und beherrschen unsere Sprache, als hätten sie sie erfunden. Auf einmal kommt einer von unsern Nachbarn, den gibt es in Wirklichkeit nicht, und der rennt mit einer Mistgabel und einer Axt bewaffnet auf die Aliens zu und will einen angreifen, aber der Alien packt den Mistgabel - Kerl einfach und isst ihn auf.
Dann sagte der perfekteste und gleichzeitig gruseligste Alien: " Ihr habt Wesen, die unschuldig waren, getötet und aufgegessen nur weil ihr euch als höher anseht. Nun werdet ihr gegessen von Wesen, die sich ebenfalls als höher ansehen."
Dann wurden wir alle gefressen und der Traum war vorbei.

Deshalb werde ich Vegetarierin!


Lisa war das erste, was mir dazu einfiel...

*- Meine Nichte ist 13 Jahre alt.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Weihnachtsmarkt

Eigentlich hatte ich bereits einen Plan, als ich meine Tochter vom Kindergarten abholte. Dieser Plan besagte, dass wir nach Hause fahren würden und dann Sport machen. Sport heißt bei uns vor allem, dass ich meine Joggingklamotten anziehe und laufe, während meine Tochter neben mir auf ihrem Fahrrad fährt und alle Lieder singt, die sie kennt. Oder wir machen Kraftsportübungen zusammen, die darin enden, dass ich meine giggelnde Tochter stemme. So haben wir, irgendwann vielleicht sogar regelmäßig, genug Bewegung*. 
"Papa?"
"Ja?"
"Können wir auf den Weihnachtsmarkt gehen? Ich war dieses Jahr noch gar nicht auf dem Weihnachtsmarkt."
"Öhm ich dachte wir wollten..."
"Ohbüddebüddebüdde!"
*seufz*
Ich bin nicht gerade der größte Freund von Weihnachten und dem Konsum, der verkauften Zuneigung oder dem heiligen Fest ansich wo jeder Mensch gezwungen ist nett zu den Anderen zu sein... es ist ja Weihnachten. Und dann schaute ich in die Augen meiner Tochter... Diese infantile Freude an den Lichtern, der Wärme von Kerzen, dem Geruch von Räucherwerk...
"Na ok." sagte ich.

Wir stellten das Auto etwas abseits und marschierten los. Zuerst wollte ich noch in einem Kaufhaus diverse total männliche Pflegeartikel holen (Haarspülung), was uns dann eine Stunde lang in der Spielzeugabteilung aufhielt. Dank meiner kleinen "Schwester" und meiner Freundin ist meine Tochter von den "Fluffy Puff Tales" auf "My little Pony" gekommen und die Kommerzhymne pfeift mir durch's Hirn wenn ich nur daran denke. *sparkle, sparkle*
Dann Kreppelchen auf dem Weg zum ersten Karussell. Dort (ich schimpfe jetzt
mal nicht über Preise) dampfte meine Tochter mit dem Leipzigexpress ein paar Runden herum. Ich machte mir einen Spaß daraus neben dem Zug herzulaufen und sie in die Kreppelchentüte greifen zu lassen... sehr zu meinem Vergnügen... wenig zu dem der herumstehenden besorgten Eltern, denen ich damit ihren Sprösslingsschnappschuß versaute. Als die Fahrt zu ende war, blickte mich meine Tochter etwas verstört an, mir ihren Fahrtchip entgegen haltend. "Er hat vergessen..." sagte sie, ich schaltete schnell. "Komm erstmal." Wir gingen abseits. "Er hat vergessen den Chip zu nehmen." widerholte sie. "Ich weiß... und wir müssen überlegen, was wir jetzt machen." sagte ich mit dem Ergebnis, dass mich meine Tochter noch verwirrter anblickte. "Hmmm... Der Mann hat vergessen dir den Chip abzunehmen. Was machen wir jetzt? Wir können ihn zurückgeben. Das wäre ehrlich. Oder wir behalten ihn und können nochmal fahren. Deine Entscheidung." Meine Tochter überlegte... "Ich behalte ihn. Wenn der Mann an der Kasse uns beim nächsten mal vergisst einen Chip zu geben, habe ich noch einen übrig." Sie steckte den Chip also in die Jackentasche und wir zogen weiter.

So kam es, dass wir zu einem großen Holzkarussell kamen. Dort waren auf zwei Etagen Pferde, Hühner, Kamele, Tiger, drehende Gondeln und was nicht noch alles. Natürlich kauften wir auch hier einen Chip und warteten bis das Karussell anhielt. Meine Tochter wollte selbstverständlich auf ein Pferd, welches sich auf und ab bewegte. Dann brach der Krieg los. Mit Weihnachtskriegsbemalung, und diversen Helmen mit Pelzaufschlag und Glöckchen, verzierte Amazonen warfen ihre Kinder auf Pferde und kämpften so schmutzig mit Ellenbogen und Knien gegen ihre ErzrivalInnen und deren Sprösslinge, das "Der reitende Berg" seine wahre Freude gehabt hätte. Ihr Kriegsschrei klang nicht laut und weit, aber schrill und keifend... Was sollte ich tun? Mit meinen körperlichen Vorraussetzungen hätte ich diesen Kampf durchaus gewinnen können... unter diversen Verlusten meiner moralischen Grundsätze und etlichen Opfern meiner natürlichen Feinde. Leichen dieser Amazonen und ihrer Sprösslinge würden die Planken des Karussells bedecken. Das Blut würde in kleinen dampfenden Rinnsalen auf das Pflaster tropfen und dort langsam gefrieren, während meine Tochter als Einzige auf einem Pferd mit braunem Schopf ihre Runden dreht... beleuchtet von flackerndem Blaulicht. Ich würde wie Marv sein... Boromir... Yoren von der Nachtwache...
Den Gedanken abschüttelnd ging ich mit meiner Tochter an den Rand und wir warteten. Dann wieder Krieg... bestimmte Gedanken abschüttelnd ging ich erneut mit meiner Tochter an den Rand und wir warteten... Ich kämpfte vier Runden lang um meine Beherrschung und einen Pferdeplatz. "Papa, wenn wir in der nächsten Runde kein Pferd abbekommen, nehme ich eine Gondel, ja?" sprach meine Tochter mit einer Weisheit, die ich einer Sechsjährigen nicht zugetraut hätte. Dann bei der fünften Runde hatten wir Glück. Ein Pferd. endlich! Als sie saß, blickte sie von ihrem graumähnigen Pferd auf das braunmähnige neben ihr, welches natürlich bereits besetzt war. "Papa? Ich wollte eigentlich auf einem mit braunen Haaren reiten." Ich blieb cool. Ich wollte nicht cool bleiben, aber mein Verstand war wohl von meinem Erfolgserlebnis ein Pferd ergattert zu haben so abgelenkt, dass meine "Gingergene" deaktiviert blieben. "Schau mal..." sagte ich. "... dein Pferd ist wie Sternenschweif**. Es ist grau und unscheinbar, aber wenn du ihm das Zauberwort ins Ohr flüsterst, verwandelt es sich in ein Einhorn." Dann blickte ich vom Rand aus zu wie meine Tochter stolz auf ihrem Sternenschweif saß. Ihr Blick war voller Liebe auf mich gerichtet, ihr Lächeln wärmte mir das Herz in einem Maße, wie es nur Töchter bei ihren Vätern vermögen. Vielleicht lag es nur an den Lichtern, an der kitschigen Musik, oder weil mir ein Lebkuchen-Mandel-Kreppelchen-Krümel ins Auge geflogen war... aber ich rieb mir eine Träne weg und schniefte ein wenig.

Nur meine Tochter mit Helm und Axt posend...

*- ich laufe regelmäßig um mich fit zu halten... vor allem um meine Rolle auf dem Conquest of Mythodea ausfüllen zu können, damit ich länger tanzen kann und damit ich nackt nicht so scheiße aussehe. 

**- Sternenschweif - Kinderbuchreihe um ein Mädchen dessen grauen Pony sich in ein magisches Einhorn verwandeln kann. Guckt nicht so... das ist nicht unwarscheinlicher als Dr. Who!!!

Freitag, 8. November 2013

Der Tod

Ich weiß nicht mehr wie alt ich war, vielleicht fünf oder sechs Jahre, aber ich erinnere mich noch genau an die Situation. Es war Herbst so wie jetzt und mir wurde bewußt, dass mein Leben endlich ist. Ich würde irgendwann sterben, so wie jede Person um mich herum. Ein Gefühl der Panik kam in mir hoch und ich weinte. So fand mich mein Vater. Er fragte mich warum ich weinte und ich antwortete: "Ich habe Angst vor dem Tod." Da nahm er mich beiseite. Ich glaube sogar er setzte mich auf seinen Schoß und sagte zu mir: "Das dauert noch. Erst werden Oma und Opa sterben, dann ich und deine Mutter und erst dann wirst du sterben." 
Ich denke er meinte es gut, doch ich rannte panisch weinend zu meiner Mutter... Kaum etwas hat mich wohl mehr geprägt als dieser Satz meines Vaters... aber hier geht es nicht um mich.

Meine Tochter hatte sich in ihr Zimmer verzogen und ein Schluchzen klang herüber. Ich ging zu ihr und sie weinte. "Was ist denn?" fragte ich. Da sah sie mich an und sagte: "Ich habe Angst zu sterben." 
Ich war paralysiert. Der Satz meines Vaters schob sich mir aus den Eingweiden meines Bewußtseins über meine Zunge auf meine Lippen. Ich hatte schon Luft geholt die Worte auszusprechen, als ich meine Lippen aufeinander presste, tief ein- und ausatmete und hart schluckte. "Ähm..." stammelte ich. "Wie kommst du denn darauf?" "Ich weiß nicht... Ich musste gerade dran denken. Uroma und Uropa... " sagte sie und Tränen glitzerten auf ihren Wangen. Ich nahm sie ganz fest in den Arm.
Nach einer Weile guckte ich sie an und sagte: "Denk nicht darüber nach. Bald wirst du Uroma und Uropa wiedersehen, und deine Oma und deinen Opa und deine Mama und mich. Das ist doch das Wichtige." Sie nickte nicht überzeugt. "Hey... um Probleme kümmern wir uns wenn es soweit ist, ok? Und ich habe nicht gehört, dass Jemand gestorben ist." Ich versuchte zu lächeln, sie nickt zaghaft... dann fing ich an mich mit übertriebenen Gesten zu betasten und meinen Puls zu fühlen. "Nein... ich fühle mich noch ganz lebendig!" Da prustete sie los. 
Wir lachten eine Weile zusammen.. dann blickte sie mich an und Fragte: "Paps? Darf ich deine Nervguns haben?"


Nur ein Grabstein meiner Mortheimplatte...

Dienstag, 20. August 2013

Minies II

I

Ich tue so als würde ich schlafen, während wir rumalbern. Da küsst sie mich auf die Wange und ich erschrecke mich. Während sie lacht sage ich erstaunt und voller Erleichterung:
Ach DU bist es!
Lachend antwortet meine Tochter:
Na klar! Jemand Anderes würde DICH doch nicht küssen!

II

Meine Tochter hat eines ihrer Prinzessinenkleider angezogen, trägt Krone und Schmuck und packt ihre Reisetasche:
Wo reist du denn hin?
Zu einer Hochzeit, aber ich heirate.
Wen heiratest du denn?
Ach... irgendeinen Prinzen.
*schmunzel* Ach so.
Und die sollten besser auch alle kommen, sonst versohle ich denen ordentlich den Hintern!

III
Du merkst, dass du dich im Conquest*-Fieber befindest, wenn du eine Rede hältst um deine Leute für die große Schlacht zu motivieren und dich deine Tochter dann fragt, ob ihr nicht einfach weiter Zähne putzen könnt, weil sie in den Kindergarten möchte.
 
IV
Musik läuft...
Papa? Kannst du was von Faun anmachen?
*grummelig* Hmmm was denn?
*singt* Du hast den Kampf noch nicht verloren
Du kommst zurück, hast du geschworen
Und wenn die Hexe wiederkehr
...**
 
V
Hmmm Ich muss noch abwaschen. *grinsend* Velleicht willst du mir ja helfen?
OH JA!
Verwirrt plötzlich alle Eltern vertehend wenn diese sich fragen: "Was hab ich nur falsch gemacht?"

VI
Ein Link zu einem alternativen Elektrosong (Björn Peng - Zucker) geisterte bei Facebook rum. Ich öffnete ihn. Text: "Alles deutet auf einen Wahnsinnigen hin. Nirgendwo ist Geld gestohlen, sinnlose Verwüstung, Zucker verstreut." Plötzlich kreischt eine Stimme: "AHHH SIE KOMMEN sie kommen, SIE KOMMEN!"
Ist das ein Kind das schreit?
Nein, das ist eine Frau.
Warum schreit sie?
Öhm... lass uns... öhm... etwas spielen, oder ABWASCHEN!
 
am See

*-Das "Conquest of Mythodea" ist das größte Liverollenspiel der Welt, welches jährlich im August bei Hanover stattfindet.
**-Faun: "Schrei es in die Winde"

Mittwoch, 17. Juli 2013

"Dreh-Kreisel-Dings-Irgendwas"

Rituale sind ja nicht immer etwas, das statisch von Jemandem (Eltern) gesetzt werden muss. Manchmal sind Rituale auch etwas, dass sich ganz natürlich entwickelt. Eines unserer Rituale ist unsere "Runde". Wenn ich meine Tochter aus dem Kindergarten abhole gehen wir ein Eis essen und danach auf den Spielplatz. Folgende Geschichte ereignete sich genau dort.

"Papa ich kann nicht!" 
"Doch du kannst das. Setze einfach einen Fuß..."
"Nein! *heul* Angst!"
Meine Tochter war auf eine der höchsten Stufen eines Klettergerüstes geklettert uns wollte auf dem daneben befindlichen "Dreh-Kreisel-Dings-Irgendwas" nach unten kreiseln, welches ich vorher IM SCHWEIßE MEINES ANGESICHTS hochgekreiselt hatte. Natürlich spreche ich Mut zu, zeige wie einfach es ist einfach einen Schritt hinüber zu machen, dass aus Angst Mut entsteht... aber wenn ein Kind... naja... mein Kind sich dann erstmal reinsteigert ergibt sich nach geschätzten dreißig Sekunden folgendes Bild:

Ein lauthals schreiendes Kind klammert sich an dem Klettergerüst fest und ruft nach ihrem Papa, der sie in 2,30m Höhe auf das "Dreh-Kreisel-Dings-Irgendwas" setzen soll. Der will aber lieber seiner Tochter zeigen, dass man Hindernisse überwinden kann, dass sie alles erreichen kann, wenn sie nur an sich glaubt. Mütter (vor allem die Übermütter) drehen sich auf dem ganzen Spielplatz um und blicken mich an wie... *seufz* Andere Kinder, am besten noch bekannte meiner Tochter aus dem Kindergarten, klettern daneben, darüber oder durch meine Tochter und erklären wie leicht das ihnen gefallen ist, was natürlich ALLES verbessert. Was tun? Ich wurde wütend. Wütend auf mich, dass ich nicht fähig war meiner Tochter Mut zu machen, wütend auf meine Tochter die ich sofort zu *übermüdet* degradierte, weil das ja so schön einfach ist und wütend auf dieses besch*ssene Klettergerüst, dass es gerade hier stehen muss! 
Ich pflückte meine Tochter also von dem Gerüst und erklärte ihr, dass ich nicht mit ihr auf den Spielplatz bleibe, wenn sie so herumschreit. Natürlich wollte sie das auch nicht. Ich ging also ein Stück vor: "Du hast es probiert und es hat nicht geklappt. Morgen können wir es nochmal probieren." sagte ich.

Plötzlich blitzte etwas in ihren Augen auf. Aus dem Jammern und Heulen wurde eine Entschlossenheit, die aus ihren Augen strahlte als würde der Doctor* sich regenerieren. Ihr Rücken straffte sich. Sie blickte mich mit einer Zornesfalte auf der Stirn an und sagte: "Nein!" Dann drehte sie sich um und stampfte in Richtung Klettergerüst zurück. Ich war... überrascht... eigentlich hätte ich in dem Moment erziehen müssen. Ich hatte eine Grenze gesetzt und sie hatte mit einer intensen Entschlossenheit diese übersprungen, mit Anlauf, in einem Panzer, auf einem Raumschiff, mit Warpgeschwindigkeit. Ich musste so sehr grinsen und ein seltsamer Stolz erfüllte meine Brust. Plötzlich blickte sie über die Schulter ob ich weiter nach Hause ging. So schnell kann man gar nicht aufhören zu grinsen, wenn man stolz ist! Ich rang um "countenance" während sie das Klettergerüst erstürmte. Dann kam die oberste Stufe... 

"Papa! Ich kann nicht!" Ich atmete tief durch. "Komm schon. Ein Schritt, dann umfasse, JA! und den anderen Fuß!" Prompt stand sie auf dem "Dreh-Kreisel-Dings-Irgendwas". "Und jetzt?" fragte sie mich. "Na hinsetzen! Du kannst seit deinem ersten Lebensjahr sitzen! Das schaffst du!" *Eine Mutter, die mir offensichtlich zugehört hatte, grinste breit* In Zeitlupe glitten die Füße über die Sitzfläche, dann saß sie endlich. Das war der Moment, wo sich das "Dreh-Kreisel-Dings-Irgendwas" eigentlich kreiselnd drehen sollte. Um irgendwann nach Hause zu kommen drehte ich also das Ding wieder nach unten, mit einer vor Freude lachenden Tochter darauf. Am Boden angekommen machten wir uns auf den Heimweg. Die Sonne schien wieder... nicht die Sonne von oben, sondern die im Gesicht meiner Tochter, als sie auf meinen Schultern nach Hause ritt. Sie war doch ganz schön müde...
dancing... jup im Hintergrund hängen LARPwaffen an der Wand...

* Doctor Who (britische, geniale Fernsehserie)

 

Dienstag, 25. Juni 2013

Ende

Dieser Post ist ein wenig überfällig und seine Veröffentlichung stellt eigentlich nur den Akt des "Aufräumens" dar... zu schade um es wegzuwerfen... zu wahr um es zu verdrängen...

Wie erklärt man seiner Tochter dass eine Liebe zerbrochen ist? Wie erklärt man seiner Tochter, dass ihre große Freundin, mit der man zusammen im Urlaub war, die ihre gesamten Disney-Kinder-Kleider ihr vermacht hat, die Frau mit der ihr Vater den Rest seines Lebens verbringen wollte, nicht mehr da sein wird?

Ich habe es erstmal gar nicht getan... konnte es nicht.

Und dann, ca. 2 Wochen nach dem Ende, gab es da einen Spaziergang. Es war Ende Februar... die wenigen kurzen Tage mit einem Sonnenstrahl hier und da... Es war nicht wirklich warm, aber man konnte den Frühling fast erahnen und Niemand glaubte, dass es noch einmal schneien würde. Meine Tochter und ich gingen Hand in Hand durch die hohen Bäume des Wildparks.  Wir waren auf dem Rückweg als sie die Frage stellte: "Wann kommt deine Freundin eigentlich wieder?"
Ich antwortete erst nicht, versuchte den Stich zu verdrängen und ehrlich eine Antwort zu formulieren, dann hielten wir an und ich kniete mich zu ihr hinunter.
"Sie hat sich... Wir sind nicht mehr zusammen... Sie... Sie kommt nicht wieder zu uns."
Meine Tochter fing an zu weinen. Ich nahm sie in den Arm.
"Wir haben uns nicht gestritten." sagte ich schnell um irgendwie das gerissene Loch in ihrer Welt zu kitten. "Sie kommt uns bestimmt mal besuchen. Es ist nicht deine Schuld." Innerlich kämpfte ich selbst die Tränen nieder als ich ihre die Wangen hinunterkullern sah. Ich wischte sie ihr weg, nahm ihre Hand und wir gingen weiter durch die nun viel kälter wirkende Baumlandschaft. Die Stille wurde nur durch gelegentliches Schluchzen unterbrochen, bis wir eine Pause machten. Sie kuschelte sich an mich und wir saßen eine ganze Weile schweigend da.
"Hast du noch Fragen?"
"Nein" antwortete sie... und irgendwie war ich froh darüber.

Wir haben nie wieder ein Wort darüber gesprochen. 


 
Vielen Dank an DJ PuPPe für das Verbreiten guter Musik.